Text: Pater Placidus a Spescha (* 8. Dezember 1752 in Trun, Schweiz; † 14. August 1833 ebenda), ein Benediktinerpater mit bürgerlichem Namen Giuli Battesta (Julius Baptist) Spes

 

 

Anleitung für Bergreisende      

"Bey Bergreisen setzt man sich immer der Gefahr aus sich zu verirren oder beschädigt zu sein; demnach ist es sehr rathsam, mit Beyhilfen versehen zu sein. Selten sind junge Herren Bergsteiger und der Bergpfade kundig, sie sollen sich daher bewährte Anführer dazu erwählen und sich ihrer Leitung übergeben. Öfters wollen sich auch andere mitgesellen, doch gebieterische, eigensinnige verdriessliche und furchtsame Gesellen sollen davon ausgeschlossen werden. Um hohe Berge zu besteigen sind fette Männer, ebenso alte und junge nicht tauglich; entweder vermögen sie nicht oder dürfen die Reise nicht fortsetzen.

Betagte Gemsjäger zog ich allen anderen vor

"Bey der Erwählung von Führern und Gehilfen muss man eine gute Wahl zu treffen wissen, denn nicht jeder taugt dazu. Betagte Gemsjäger zog ich allen anderen vor; junge Männer taugen nicht so gut, denn sie wagen gemeyniglich zu viel und können im Falle der Not keinen ausführlichen Rat geben. Ich bedauerte oft, unbrauchbare Führer und Gehilfen mitgenommen zu haben, für welche ich mehr sorgen musste als für mich. Es ist nicht genug, Leute und Lebensmittel auf Bergreisen mitgenommen zu haben, man muss sie auch wohl verköstigen können.

Man soll sie nur ausforschen, wenn sie ruhen

Den Lüten muss man nicht übermässige, sondern nur kraftvolle Esswaren zum Genusse verschaffen und sie möglichst vom vielen Wassertrinken abhalten. Man soll selbe weder mit allzu grossen Reisen noch mit Tragen beschweren und ihnen, wenn es möglich ist, eine sanfte Liegestatt von Stroh, Heu oder Gras beschaffen. Man soll sie vom vielen Reden abhalten, denn dadurch werden sie sorglos im Gehen und Tragen, ziehen sich Unachtsamkeit und Durst zu und dies ist ihnen nicht zuträglich. Man soll sie selten anreden und nur alsdann ausforschen, wenn sie ruhen.

Man soll mit ihnen freundlich mit ihnen.....

Man soll mit ihnen freundlich und dennoch nicht gemein sein, sonst werden sie einbildnerisch und stolz. Man thut besser wenn man mit ihnen um den Taggeldlohn übereinkommt, man kann sie dann noch darüber belohnen, wenn sie sich wohl verhalten. Man handelt vernünftiger, wenn man sie selber verköstigt, denn sonst wollen sie etwas zu erlangen suchen, werden kraft und mutlos, es kommt ihnen alles beschwerlich vor, und sie werden verdrießlich und mürrisch.

Die beste Kost ist für sie Roggenbrot

Die beste Kost ist für sie Roggenbrot, Käse Schweinefleisch und Butter, denn für dergleichen sind die meisten erzogen und daran gewohnt. Sie sollen immer mit Wasser betränkt werden und man will ihnen nur zu wohl, wenn man ihren Durst nicht anders als mit Milch, Sirte und Wasser löscht. Man würde sie mit Wein oder anderen erhitzenden Geistesgetränken nur berauschen, den ganzen vorgesetzten Zweck dabei verfehlen und ihnen dabei mehr schaden als nützen."