Tresch- Indergand Johann Josef

1835 - 1902

 

Genannt " Felli- Tresch"

 

 

 

Jener vierjährige, pausbäckige Junge mit einem grossen Stück Käse im Mund, der 1839 im Etzlital scheu einen fremden Gebirgszeichner anglotzte, dieser Bub war der später durch seine Lebensweise auffallende Felli -Tresch.

Die SAC-Sektion Am Albis hat 1923 von der Gemeinde Gurtnellen die frühere Behausung des Johann Josef Tresch erworben und ausgebaut. Anstelle der baufällig gewordenen Holzhütte wurde 1947 der heutige, massive Blocksteinbau ca. 100 m über dem früheren Standort gebaut und 1984 talseitig erweitert. Die Tresch-Hütte ist ein beliebter Ausgangspunkt für Bergtouren über die Fellilücke zum Oberalppass oder nach Andermatt und über die Pörtlilücke zur Etzli-Hütte.

   

Ahnenprobe:  

 Grosser Tresch

Zunächst lebte Johann Josef mit seiner Familie, aus der drei Töchte geboren wurden, im Etzlital und übersiedelte später auf die „ hintere „Seite des Bristenstocks, auf den Felliberg. Nach dem Tod seiner Frau trieb ihn finanzielle Not mit vier noch verbliebenen Geissen weiter ins Tal nach „Hütten“ und wiederum taleinwärts trottend bezog er am Ronastutz auf 1388 m sein Refugium. Hinter einem mächtigen Felsblock stand dort ein halb zerfallenes Hüttlein. Und weil dessen Besitzer verschollen war, nahm der Johann Josef Tresch hier Unterschlupf. Notdürftig reparierte er das Dach, setzte Fenster ein und konstruierte eine Art Ofen. Hier verbrachte der Einsiedler, inzwischen geringschätzig „ Felli- Latz“ genannt viele Jahre der Abgeschiedenheit. Sein Besitz beschränkte sich auf das allernötigste Kochgeschirr, etwas Werkzeug, seine Geissen und eine alte Drehorgel, welche die Tell- Ouvertüre, den Freiburger Kuhreihen und den Faustwalzer spielte. Und wenn es gar zu einsam wurde, sang er dazu das Napoleonslied oder von der Jungfrau Maria, sodass man Gänsehaut bekommen hätte. Wer aber sah, von welch tiefem Ernst und Glauben sein Gesang war, der mochte ihn nicht stören. Überhaupt war der der Felli- Tresch rührend schlicht, gab sich fröhlich und sang als aufrichtiger Christ gerne Kirchenlieder. In Alpinistenkreisen war er trotzdem ein geschätzter Bergführer, dem man sich ruhig anvertrauen konnte. Mit seinem Bruder Josef Maria war er 1865 erstmals auf dem Piz Nair und der Urner Führer nennt vom Fedenstock bis zum Sonnig Wichel über ein Dutzend Erstbegehungen auf das Konto von Felli- Tresch.

 

 

Dieser war schon durch die äußere Erscheinung ein Original. Über 180 cm gross, breit und schwer gebaut, mit zu kurzen Hosen, einem alten Kittel, dem schweren Filzhut auf dem Haupt und riesige, mit Nägeln und Eisen beschlagene Holzböden an den Füssen, hat seine Gestalt manch mitleidiges Lächeln gefunden. Zu verschiedenen Malen war er mit dem Zürcher Alpinisten Carl Seelig in den Urner Bergen. Er schrieb von seinem Begleiter: „ Er hatte nicht etwa Bergschuhe –nein- gewaltige Holzbodenschuhe Riesendinger, wahre Kähne, sodass wir oft nicht begreifen konnten, wie der Alte durchkam“. Wer ihn aber als Führer erleben durfte, wie er mit seinen unförmigen Schuhen die schwersten Hindernisse überwand, dem verging bald das Lachen. Als Strahler wies der Felli-Tresch beachtliche Funde aus, doch am Fedenstock verliess in der Instinkt. Kriechend war er daran, eine Kristallhöhle ausbeuten, als sich ein Teil der Höhlendecke löste und ihm die rechte Hand und ein Teil seines Arms eindrückte. Erst nach stundenlangem Zerren und Reissen gelang es ihm, seine zerquetschte Hand zu befreien die, ohne jegliche ärztliche Hilfe verstümmelt blieb.

1902 unternahm Felli- Tresch mit dem jungen Zuger Alpinisten Schillig eine Tour auf Bristenstock. Beim Abstieg durch den Hilferuf eines anderen Touristen beunruhigt, kletterte Tresch ostwärts ab. Sein Zuger Gast, dem der Felli- Tresch von unten zurief, er könnte nicht mehr zurück, wartete auf dem Grat vergeblich auf dessen Rückkehr und suchte auch anderntags in Bristen umsonst nach dem fehlenden Tresch. Auch Bergführer J. Zgraggen fand am Mittwoch die Hütte des Einsiedlers verschlossen. Ebenso vergeblich waren die Nachforschungen des langjährigen Vertrauten von Fellitresch, Dr. F. Weber, AACZ. Der Felli Tresch musste verunglückt sein. Erst 19 Jahre später, am 20. Oktober 1921, fand Albin Indergand aus dem Ried in Amsteg, über der Chlüseralp im Etzlital die sterblichen Überreste des am 28. Sept.1902 verunglückten Felli- Tresch. Seine Gebeine ruhen auf dem Friedhof von Amsteg. Indergand selber war 1890 beim „ Strahlnen „ verunglückt und verlor dabei sein rechtes Bein sodass er seither mit einer Holzprothese leben musste. Gerettet hatte ihn damals der Felli- Latz. Noch heute aber erinnert die nach dem Felli- Tresch benannte Treschhütte SAC, Sektion Am Albis, im Fellital an den eigenwilligen und freiheitsliebenden Johann Josef Tresch.

Handgeschriebener Leichenfundbericht
Handgeschriebener Leichenfundbericht

Bericht über den Leichenfund des Herrn Johann Josef Tresch, Fellithal

Handschriftliche Bericht von der jüngsten Tochter des Finders Albin Indergand

Bergführer Johann Josef Tresch, Felli- Tresch, der am 28. September 1902 am Bristenstock verunglückte und am 20. Oktober 1921, 3 - 400 m oberhalb des sogenannten Firenplätz im Etzlichlüser aufgefunden wurde, konnte dank der diesjährigen außerordentlichen Schneeschmelze geborgen werden. Seine Überreste in Kleidern war ein kaum ersichtliches Gewebe über die Knochen, nachher fand man aber beide Schuhe merkwürdigerweise ziemlich gut erhalten. Des linken Fußes Gebeine befanden sich noch in selbem Schuhe. Etwa zwei Meter von den Gebeinen entfernt, lag der Schädel unbeschädigt. Beide Oberschenkel sowie der linke Unterschenkel waren ohne Brüche, der rechte Unterschenkel war aber gebrochen. Die Arrmgebeiner waren die meisten in mehreren Stücken, auch die Rippen wiesen bereits alle Brüche auf. An den Gebeinen der Finger befanden sich die beiden Ringe. In weiterer Barschaft wurde gefunden, das Zeichen eines silberdrähtenen Rosenkranzes, Silber, ferner ein Turnerzeichen mit der Jahrzahl 1900 sowie das Taschenmesser, welches sich nebst Fr. 4.83 im Geldsack befand, letzterer stark verfault. Die Ledertasche ( Provianttasche) befand sich ca. 30 Meter von sämtlichen Gegenständen an einer Felswand, da sie mit einem Riemenhänger geblieben war, auch der Hosengurt war daselbst. In selber Ledertasche waren vorhanden die Fußeisen und ein wenig Watte, auch von der Schneebrille waren noch kleine Reste, so man glaubte von einer Konservebüchse. Die Gebeine des Herrn Tresch ruhen auf dem Friedhof in Amsteg.